Individualpsychologie

Die Individualpsychologie wurde von Alfred Adler begründet. 1911 verließ er die Mittwochsgesellschaft Sigmund Freuds und die bis dahin gemeinsame Basis der Psychoanalyse.

Schon früh erweiterte der Mediziner Adler seinen Wirkungsbereich von der Heilkunst auf die Pädagogik. Sein Kollege Rudolf Dreikurs etablierte diese Arbeit in den USA.

Beider Gedanke war und ist bis heute bestechend:

Die richtige Erziehung eines heranwachsenden Menschen hilft ihn körperlich und vor allem seelisch gesund zu halten. Heute nennen wir das Prävention.

Die Individualpsychologie hat ein ausgesprochen positives Menschenbild:

  • Sie sieht den Menschen als unteilbare Einheit aus Körper und Geist, aus Denken, Fühlen und Handeln.
  • Sie begreift den Menschen als zutiefst soziales Wesen, dessen körperliche und seelische Gesundheit davon abhängt, wie es sich in der Beziehung zu den Mitmenschen erlebt.
  • Sie versteht den Menschen als gut, aber als ein Leben lang unvollkommen und auf der Suche nach Vervollkommnung. Und sagt: Das ist in Ordnung so.
  • Sie geht davon aus, dass jedes menschliche Handeln zielorientiert ist, bewusst oder unbewusst. Ziele kann man aufdecken und ändern, und damit das Verhalten.

Ermutigung ist das Mittel der Wahl in der Individualpsychologie, um einem Menschen das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit in der sozialen Gemeinschaft zu erfüllen. Wenn dies gewährleistet ist, packt er trotz seiner Unvollkommenheit mutig die Lebensaufgaben im privaten und beruflichen Bereich an. Er verfolgt friedliche, gemeinschaftsförderliche Ziele, statt egoistischer und destruktiver. Ihn prägt das Denken: "So wie ich bin, bin ich gut genug. Ich muss mich nicht verändern, ich darf mich entwickeln".

Kinder und Jugendliche ermutigen bedeutet, sie fähig machen zur Selbstermutigung.

Mutige Erwachsene sind ein Gewinn für unser Zusammenleben.

Man kann Adlers Psychologie wohl als Teleoanalyse ansehen, da wir die Erkenntnis und die Veränderung der Ziele eines Menschen als die Basis unserer korrigierenden Bemühungen, seien sie erzieherisch, heilpädagogisch oder therapeutisch, betrachten.

Rudolf Dreikurs